Bifû Ikebana Berlin

Was ist Ikebana ?

Allgemeines

ikebana

Blumen werden überall in der Welt in religiösen Riten und zur Dekoration von Wohnräumen verwendet. In Japan jedoch hat sich das Arrangieren von Blumen und Pflanzen zu einer hohen und eigenständigen Kunst entwickelt – dem Ikebana. Dazu waren vor allem drei Faktoren ausschlaggebend:

1.    Der Shintoismus war und ist eine in Japan weit verbreitete Religion, in der die Götter eng mit der Natur in Verbindung gebracht und verehrt werden. Dies führte zu einer engen Naturverbundenheit und auch einer intensiven Naturbeobachtung. Auch der Buddismus mit seinen Blumenopfern und der Konfuzianismus mit seiner Symbolik von Himmel – Mensch – Erde prägten das Ikebana stark.

2.    Die Entwicklung des Ikebana ist eng mit der Architektur und ihren Umbrüchen verbunden: Hausaltäre und die dort geopferten Blumen führten zur Entwicklung der Tokonoma (Ehrennische), in der auch heute noch Blumenarrangements stehen.

3.    Eine besonders in Japan verbreitete Geisteshaltung der ständigen Selbsterziehung (geprägt durch den Konfuzianismus) führte zu einer überaus verfeinerten Entwicklung der "Künste": neben dem "Kado=Blumenweg" gelten auch Judo, Kendo (Schwertfechten), die Teezeremonie usw. als Möglichkeit, durch die intensive Beschäftigung mit einem Thema und das sorgsame Erlernen auch der Feinheiten die Persönlichkeit des Menschen nachhaltig zu formen. Dabei tritt die Person des Schülers in den Hintergrund und das Thema, die Sache in den Vordergrund.

Geschichtliche Entwicklung

kadō

Um 350 n. Chr.
Shintoismus und tiefe Naturverbundenheit sind in Japan weit verbreitet. In den Tempeln werden Blumen geopfert und Blumenzeremonien durchgeführt.

Um 600 n. Chr.
Prinzregent Shotoku kommt mit chinesischer Kultur in Kontakt, der Buddismus als neue Religion wird eingeführt. Shotoku entwickelt das Staatswesen durch grundlegende Gesetze, Einführung einer Regierung, es entstehen Priesterkaste und Kriegerkaste. In den buddistischen Tempeln werden Blumen geopfert (Kuge).

Um 800 n. Chr.
Kaiser und Hofadel stecken Blumen (ohne feste Regeln) und veranstalten Blumenwettbewerbe

Um 1200 n. Chr.
In der Architektur entstehen auch in den Häusern der Kriegerkaste Hausaltäre mit Blumenopfern. Chinesische Vasen werden nach Japan importiert, Blumenwettbewerbe (auch in diesen Gefäßen) sind weit verbreitet. Blumen werden offiziell "gesteckt": das "TATEBANA" = "gesteckte Blumen" entsteht.

Um 1350 n. Chr.
Aus dem Hausaltar entwickelt sich die "Ehrennische = Tokonoma", in der u.a. Blumenarrangements aufgestellt werden. Steckregeln für Blumen werden entwickelt und erst mündlich, ab ca. 1450 auch schriftlich verbreitet.

Um 1550 n. Chr.
Die aufsteigende Kriegerkaste entwickelt in der Architektur prachtvolle Schlösser, gleichzeitig kommt es zu einer Gegentendenz, die nach schlichter Einfachheit strebt: sie kommt besonders in den Gärten und der Teezeremonie zum Ausdruck. Die IKENOBO-Priestersippe entwickelt das Blumenstecken stark weiter: einerseits entstehen verfeinerte Steckregeln für immer prächtigere Großarrangements, die RIKKA genannt werden; andererseits entstehen für die schlichten Teehäuser besonders einfache und zwanglose Gestecke: das CHABANA (Teegesteck).

Um 1600 n. Chr.
Der RIKKA-Stil wird vollendet, aus dem Chabana entwickelt sich der NAGEIRE- Stil (Nageire = hinein geworfene Blumen) für die Vase.

Um 1700 n. Chr.
In der Architektur entstehen auch in den Wohnhäusern des (gehobenen) Volkes Tokonomas. Für diese ist das Rikka allerdings zu groß und zu prächtig, daher entwickelt sich das schlichtere SEIKA (Shoka): dieses Gesteck ist kleiner und schlichter als das Rikka, behält aber dessen Eleganz. Das starke Aufkommen des Konfuzianismus führt zur Übernahme des dreiteiligen Schemas Himmel-Mensch-Erde auch im Ikebana: Die Blumenarrangements werden Ausdruck der Staatsphilosophie und daher auch staatlich gefördert. Ikebana wird um 1770 offiziell zur Kunst erklärt, Ihr Erlernen fördert durch ständiges Auseinandersetzen mit den Aufbauregeln der Arrangements auch die Auseinandersetzung mit den Kardinalstugenden (Liebe, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Weisheit und Vertrauen = Sinnbilder für die Hauptlinien im 5-Linien-Prinzip des Seikas).

Um 1870 n. Chr.
Nach dem Niedergang des Shogunats und der Kriegerkaste öffnet sich Japan zwangsweise nach Westen. Westliche Architektur und Wohneinrichtung beeinflussen das Ikebana ebenso wie die Einführung neuer Blumen und Pflanzen. Passend zur "modernen Einrichtung" entwickelt sich ein völlig neuer Ikebana-Stil: OHARA HOUN (Ohara-Schule) erschafft Blumenarrangements in flachen Schalen = MORIBANA. Diese schlichten, schmückenden und leicht erlernbaren Arrangements finden große Beachtung und verbreiten sich schnell auch in der westlichen Welt.

Um 1920
Ikebana wird zur Nationalkunst erklärt. Massenkommunikationsmittel verbreiten Ikebana vor allem unter Frauen: während Ikebana bis zu diesem Zeitpunkt vor allem als eine Kunst zur Persönlichkeitsentwicklung der Männer (Krieger) betrachtet wurde, gilt es jetzt auch als Teil der Erziehung zur Ästhetik und der guten Umgangsformen bei Frauen. Bis heute werden deshalb in Japan vor allem Frauen in Ikebana geschult.
Moribana und Nageire werden weiter entwickelt, es entstehen erste Ansätze zum "FREIEN STIL = JIYUBANA".

Um 1950
Die Niederlage Japans nach den 2. Weltkrieg führen zu einem Neuanfang nicht nur in der Kunst: Materialmangel, neue Formen in der Architektur (Stahlbetonbauten), Streben nach Freiheit von der alten japanischen Kultur führen zur rasanten Entwicklung vieler neuer Richtungen im Ikebana: Avantgardistisches Ikebana (ZENEIBANA) entsteht und wird durch TESHIGAHARA SOFU (Sogetsu- Schule) zu einer weltweit verbreiteten Kunstform, die auch klassische Schulen stark beeinflusst und zur Öffnung ihrer Lehrpläne zwingt. 1956 wird IKEBANA INTERNATIONAL gegründet.




Weitere Informationen finden Sie in dem hervorragenden Buch von Ayako Graefe „Ikebana – Geist und Schönheit Japanischer Blumenkunst“, aus dem auch diese Zusammenfassung stammt.

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